Einhorn blau mini 2

Waaas ein EINHORN? Das ist doch DAS LETZTE! Welcher Esel glaubt an so einen Unsinn? Außer Traumtänzerin Lara, die niemand in der Klasse leiden kann,.... weil sie so anders ist. Ständig schwebt sie auf Wolke sieben, lebt irgendwo im nirgendwo, vielleicht in Wolkenkuckucksheim, jedenfalls nicht im hier und jetzt. Wenn sie den Mund aufmacht, lügt sie. Wer soll das cool finden?


Die ganze Geschichte:

 

   Frau Müller gibt Sachunterricht. „Wer möchte von seinem Haustier erzählen?“, fragt sie die Klasse 3a.

   Antons Finger schießt nach oben. „Ich habe einen Hamster“, verkündet er stolz.

   Doch Mia fällt ihm ins Wort. „Ich habe ein Meerschweinchen“, platzt sie heraus.

   „Und ich eine Katze“, meldet Ron.

   Bald rufen alle Kinder durcheinander. Jeder hat ein Haustier: Bea hat einen Dackel, Felix einen Schäferhund. Amelie hat sogar ein eigenes Pony…  

    „So geht das nicht. Ruhe bitte!“, mahnt Frau Müller. Dann nimmt sie die schüchterne Lisa an die Reihe.

   Die Klasse 3a wartet gespannt auf ihre Antwort.

   Doch Lara schluckt nur, ohne etwas zu sagen. Sie heftet den Blick auf ihr Pult und nestelt nervös an ihrem Federmäppchen. „Ich habe ein …. ein Einhorn“, flüstert Lara endlich - kaum hörbar in die Stille.

   „Ein Einhorn, dass ich nicht lache!“, prustet Bea los.

   Felix schlägt sich vor Vergnügen auf die Schenkel.

   Frau Müller legt die Stirn in Falten und schüttelt den Kopf.

   Trotzig schiebt Lara die Unterlippe nach vorne. „Wer mir nicht glaubt, kann mich gerne besuchen kommen“, murmelt sie mit ihrer leisen Stimme, die selten zu hören ist in der lebhaften Klasse 3a.

   Die Kinder staunen. Das gab es noch nie. Keiner war je bei Lara zu Hause. Weil sie außerhalb der Stadt wohnt. Und weil sie so still und seltsam ist. „Klar kommen wir“, ruft die Klasse 3a neugierig.

   Vor Aufregung läuft Lara knallrot an.

   Gleich am nächsten Nachmittag ist es soweit. Mit den Fahrrädern macht sich die Klasse 3a auf den Weg zu Lara – vorbei an endlosen Häusern, Wiesen, Feldern und Bäumen – in die Einsamkeit, die Lisas Zuhause ist.

   Der Weg wird immer unheimlicher. Es gibt merkwürdige Schatten und Geräusche.

   „Was für einen langen Schulweg Lara hat“, findet Anton.

   „Lass uns umkehren“, schlägt Ron vor.

   Felix streckt den Arm aus. „Schaut mal da hinten, ein Einhorn!“, ruft er. „Gleich neben Lara!“

   Die Klasse 3a hält den Atem an. Neugierig kommen die Kinder näher. Mit großen Augen begutachten sie das seltsame Wesen an Laras Seite. Tatsächlich! Es hat ein himmelblaues Fell und ein Horn auf der Stirn.  Doch irgendwas stimmt nicht. Das Horn wirkt unecht und das Fell struppig.

   „I-aah“, macht das Einhorn und verpasst dem Farbeimer auf dem Boden einen Fußtritt. Das Gras färbt sich himmelblau.

   Die Klasse 3a platzt fast vor Lachen. „DAS soll ein Einhorn sein?“, rufen die Kinder spöttisch.

   Die schüchterne Lara sackt in sich zusammen. Sie hält sich die Ohren zu und vergräbt ihr Gesicht im blau bemalten Fell ihres Esels.   

   Als sie wieder aufsieht, ist die empörte Klasse 3a verschwunden.

   Nur Anton ist noch da. „Vielen Dank für die Einladung und für die Überraschung“, sagt er. Ohne eine Spur von Gemeinheit in der Stimme.

   „Lass gut sein. Es ist kein Einhorn, sondern ein Esel“, murmelt Lara betreten. „Jetzt wissen alle, dass ich gelogen habe. Niemand will was mit mir zu tun haben. Und ich bin noch einsamer als vorher.“

   „Da gibt es keinen Zweifel“, nickt Anton.

   Er legt die Hand auf das Horn, das aus Pappe, Klebstoff und Glitzerpapier besteht. Dann tritt er einen Schritt zurück. Nachdenklich betrachtet er das blau bemalte Eselfell - und Laras verheultes Gesicht.

   „Da gibt es keinen Zweifel“, wiederholt er. Und ergänzt: „Es ist eindeutig ein Einhorn. Wer das nicht sieht, kann einem leidtun.“

                      (548 Wörter) 

Diese Geschichte als PDF Herunterladen!