schweres Herz 2 mini

 

Jeden Morgen im Schulbus erlebe ich Himmel und Hölle zugleich. Ich könnte der glücklichste Mensch der Welt sein, ... wenn ich den Mund aufkriegen würde. Aber bei Marisas Anblick fehlen mir jedes Mal die Worte. Gibt es ein Erwachen aus diesem Albtraum?

 


Die ganze Geschichte:

   Das Glück hat Sommersprossen und ein umwerfendes Lächeln. Jeden Morgen und halb acht fährt es mit dem Autobus zur Schule. Genau wie ich.

   Mein Glück ist vollkommen - bis auf eine winzige Kleinigkeit: Es ist unerreichbar für mich! Jeden Morgen rauscht es an mir vorbei, ohne mich zu bemerken. Das ist kein Wunder, weil ich nie den Mund aufkriege. „Was zum Teufel soll man sagen, wenn das Glück vor einem steht, ohne sich zum Vollidioten zu machen?“ Nichts ist gut genug:

„Kennen wir uns?“ – Einfallslos!

„Ist der Platz noch frei?“ – Aufdringlich!

„Möchtest Du einen Bonbon?“ – Kindisch!

Darf ist Dich zu einem Eis einladen? – Größenwahnsinnig!

   Tag für Tag geht das so. Vergeblich zerbreche ich mir den Kopf. Es ist die Hölle auf Erden. Mein Glück foltert mich. „Marisa“ heißt es. So steht es auf ihrer Schultasche.

    Da kommt der dicke Bert. Ohne Umstände steuert er auf den freien Platz neben Marisa zu. „Ist hier noch frei?“, fragt er und lässt sich neben Marisa plumpsen. Er öffnet eine Coladose. Dann holt er eine Tüte Gummibärchen aus seinem Ranzen. Und hält sie Marisa unter die Nase. „Willst du?“, fragt er.

   Marisa nickt erfreut. „Kennen wir uns?“, fragt sie.

   „So kinderleicht ist das?“ Ich bin eifersüchtig auf den unkomplizierten Bert. Am liebsten würde ich ihn runterschubsen - von seinem Platz neben Marisa. Wütend starre ich ihn an.

   Doch Bert kaut seelenruhig weiter. „Möchtest du auch ein Gummibärchen?“, fragt er mich mit vollem Mund. Nun hält er mir die Tüte hin.

   „Hau bloß ab mit deinen dämlichen Süßigkeiten!“, zische ich und schlage nach der Tüte. Dabei treffe ich auch die offene Coladose.

Die Gummibären fallen zu Boden. Ein Schwupp Cola landet auf Marisas Kleid. „Huch“, ruft sie und springt auf.

   „Entschuldigung“, stammele ich. Meine Wangen brennen vor Scham. Ich könnte im Erdboden versinken. Was ist bloß in mich gefahren?

   „Meine Gummibärchen!“, ruft Bert empört.

   „Mein Kleid!“, ruft Marisa erschrocken.

   „Tut mir leid“, brumme ich. „Du bekommst ein neues Kleid von mir“, verspreche ich Marisa zerknirscht. „Und Du bekommst neue Süßigkeiten – von meinem Taschengeld“, beschwichtigte ich den verärgerten Bert.

   Da lächelt Marisa wieder. „Schon gut“, winkt sie ab. „Nicht nötig!“

   Auch Bert findet sein Lächeln wieder. „Wie wär‘s, wenn du uns zu einem Eis einlädst?“, fragt er.

   Maria klatscht in die Hände. „Au ja“, ruft sie. „Das wär‘ toll! Einverstanden?“

   Ich brauche bloß zu nicken. „So kinderleicht ist das“, denke ich. Und diesmal bin ich kein bisschen sauer.

(404 Wörter)

 

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